LANDENHAUSEN/VOGELSBERGKREIS – „Der heutige Tag bedeutet Abschied und zugleich Neubeginn. Wir müssen das Vertrauen haben, Altes loszulassen, um uns auf Neues einzulassen und es zu wagen.“ Mit diesen Worten drückte Christa Wachter, amtierende Präses beim Evangelischen Dekanat Vogelsberg, den bevorstehenden Epochenwechsel aus. Denn die Dekanatssynode am vergangenen Samstag in Landenhausen wird zugleich auch die letzte gewesen sein. Es bleiben nur noch weniger als zweieinhalb Monate, dann ist das heutige Dekanat Vogelsberg in den Grenzen zwischen Schlitzerland und Blauem Eck bereits Geschichte.
Zum 1. Januar 2019 erfolgt die Fusion mit dem bisherigen Dekanat Alsfeld zum neuen gemeinsamen Großdekanat, das weiterhin den Namen „Dekanat Vogelsberg“ tragen wird. Von 36 auf 84 wird sich die Anzahl der dazu gehörenden Kirchengemeinden im dann flächengrößten Dekanat der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) erhöhen. Zu Ende geht eine Ära, die nach historischen Maßstäben eigentlich nur kurz war: Den meisten evangelischen Christen im Altkreis noch bestens vertraut sind die beiden „althergebrachten“ Dekanate Lauterbach und Herbstein, die ab dem 1. Januar 2000 im Dekanat Vogelsberg gemeinsame Wege gingen.
Ein Hauch von Abschiedsstimmung wehte also durch das Haus der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Landenhausen als Tagungsort der letzten Synode – und trotz mancher Bedenken in den vorausgegangenen Jahren wohl auch etwas Aufbruchsstimmung, denn die Fusion kommt nicht überraschend über Nacht. So haben im vergangenen Jahr bereits fünf gemeinsame Sitzungen der Dekanatssynodalvorstände und zwei gemeinsame Dekanatssynoden der beiden Partner stattgefunden, wie Präses Christa Wachter berichten konnte. In den Vorstandssitzungen war die Fusion eines der wichtigen Themen. Die Kündigung des bisherigen Dekanatsbüros in Lauterbach soll zum 31. Januar 2019 erfolgen. Für die zweite Kalenderwoche 2019 ist der Umzug zum neuen Dekanatssitz in Alsfeld geplant. „Altmöbel“ aus den Dekanaten sollen zunächst den Kirchengemeinden gegen Abholung und eine Spende angeboten werden.
Rückblick auf 19 Jahre
Mit einer Bilderpräsentation auf der Leinwand hielt Christa Wachter noch einmal Rückschau auf die zu Ende gehenden 19 Jahre des Dekanats Vogelsberg. In dieser Zeit hatte die Synode drei Vorsitzende – Fritz Möller (bis 2006), Annedore Radvan (2006 bis 2012) und Christa Wachter (seit 2012). Vier Dekane bzw. Dekaninnen standen an der Spitze des Dekanats – Volker Jung (bis 2008), Martin Bandel (2009), Stefan Klaffehn (2010 bis 2016) und Luise Berroth (seit 2017). Ein besonderer Höhepunkt war 2008 die Wahl des eigenen Dekans Volker Jung zum Präsidenten der EKHN. Noch frisch sind die Erinnerungen an den Vogelsberger Kirchentag in Lauterbach im Reformations-Jubiläumsjahr 2017.
Beschlüsse wurden auf der letzten Vogelsberger Synode nicht gefasst – dies wäre auch nicht möglich gewesen, da das Quorum für die Beschlussfähigkeit ganz knapp verfehlt wurde. Neu zu besetzen sind die Vertreterpositionen im evangelischen Regionalverwaltungsverband Oberhessen, dem Beratungszentrum Vogelsberg und dem Partnerschaftsausschuss des Dekanats aufgrund des Todes von Pfarrer Martin Bandel. „Wir alle können es immer noch nicht begreifen, dass er fehlt. Sein Tod hat Lücken hinterlassen, auch bei uns“, meinte Christa Wachter.
Für einen war die Synode ebenfalls ein Moment des Abschieds: Klaus Döll scheidet aus der kirchlichen Regionalverwaltung aus. Seinen Platz nimmt künftig Cornelius Helm ein. „Das war nicht nur die letzte Synode für das Dekanat, sondern auch für mich. Nach etwa 65 Synoden, an denen ich teilgenommen habe, gehe ich jetzt in den Ruhestand. Ich kann sagen, ich habe mich in Ihrem Kreis stets sehr wohl gefühlt“, so Klaus Döll in seinen Abschiedsworten.
„Der Name unseres Dekanats wird bleiben und es ändert sich auch nicht wirklich viel. Aber irgendwie ändert es sich doch. Wir werden weitere Wege haben, doch der Beschluss wurde gefasst, und wir müssen nach vorne schauen. Es gilt, den Übergang achtsam zu gestalten“, erklärte Christa Wachter zum Abschluss der Synode. Ein kleines Präsent gab es für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen – einen immerwährenden Kalender mit Abbildungen aller Kirchen auf dem Gebiet des Noch-Dekanats.
Die nächste Synodaltagung wird am 26. Januar 2019 in Romrod stattfinden – dann aber unter den veränderten Vorzeichen einer gemeinsamen Synode für das neue große Dekanat Vogelsberg.
