ULRICHSTEIN – Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) will hessischer Ministerpräsident werden. „Es geht bei der Landtagswahl um die Zukunft Hessens. Wir müssen die Zentralisierung beenden, bessere Infrastruktur und Arbeitsplätze aufs Land bringen. Nach 19 Jahren CDU-geführter Landesregierung ist klar: Wer das will, muss SPD wählen“, sagte er am Sonntagnachmittag im „Museum im Vorwerk“ in Ulrichstein. Die Moderation der sehr gut besuchten Veranstaltung hatte Dirk Schäfer aus Usingen.
Mehr Polizisten
Die SPD hatte eine eher unkonventionelle Veranstaltung organisiert. Unter dem Titel „Talk mit TSG – persönlich und politisch“ sprachen nicht nur der Spitzenkandidat, sondern auch seine Ehefrau Annette Gümbel über Politik und Privates. Sie verriet den etwa 100 Zuhörern zum Beispiel, dass ein Seminar über Otto von Bismarck die beiden zusammenführte. Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab, in Schäfer-Gümbels Regierungsteam wäre sie zuständig für den ländlichen Raum, sprach über die Herausforderungen zum Beispiel im Vogelsbergkreis. So brauche es mehr Polizistinnen und Polizisten, um die Abdeckung auch im ländlichen Raum hinzubekommen. Schäfer-Gümbel sicherte hier eine Verbesserung der Infrastruktur mit je einer zusätzlichen Funkstreife pro Revier zu. Aber auch die Gerichte müssten personell aufgestockt werden, um schneller mehr Fälle bearbeiten zu können.
Christian Schmidt (Kaulstoß) kritisierte, dass die Hilfe für die enormen Dürreschäden zu spät komme: „Ich weiß nicht, wie es mit der Milchviehwirtschaft weitergehen soll“, beklagte er. Ende Februar gehe das Futter für seine 150 Milchkühe zu Ende. Das dringend benötige zusätzliche Futter sei inzwischen so teuer geworden, dass er bereits Überlegungen anstelle, Tiere mit schwacher Leistung zu verkaufen.
Ansonsten war der Nachmittag hoch politisch. Schäfer-Gümbel ging etwa mit den Verkehrsproblemen in Hessen ins Gericht: „Der hessische Stau reicht mittlerweile dreimal um die Erde. Das muss sich endlich ändern.“ Er bezeichnete Wohnen als Thema seines Lebens. Die SPD habe das Thema bezahlbarer Wohnungen zur Priorität gemacht. Beengte Wohnverhältnisse in der Kindheit und Jugend hätten aber auch seinen Stil und seinen Umgang geprägt. „Ich streite mich bis heute hart in der Sache, aber nie so, dass persönliche Verletzungen bleiben.“ Beim Thema Pflege forderte der SPD-Spitzenkandidat mehr Personal, damit vor allem mehr Zeit für die hilfsbedürftigen Menschen da sei. Das Modell der „GemeindeschwesterPlus“ aus Rheinland-Pfalz wolle er übernehmen, um eine medizinische Versorgung in Absprache mit Ärzten auch in Dörfern und kleineren Gemeinden zu gewährleisten.
Straßenbeiträge streichen
Aus dem Publikum wurde Schäfer-Gümbel nach den Straßenausbaubeiträgen gefragt. Er versicherte, die SPD werde diese komplett streichen und auch die Kommunen insgesamt besser finanzieren.
Prominente Gäste in der Ständerhalle waren Luisa Boos (die Generalsekretärin der SPD Baden-Württemberg), Thomas Schwarze (Wiesbaden), der in Schäfer-Gümbels Schattenkabinett als Kultusminister vorgesehen ist, und Gerhard Merz (Gießen) der bei einer möglichen Regierungsübernahme das Ressort „Soziales und Arbeit“ übernehmen soll. Für den Wahlkampf hat Hessens SPD auch prominente Unterstützung aus Berlin, aber nicht nur von hoher Politik. Der frühere Basketballprofi Henning Harnisch soll als Sportbeauftragter für die SPD punkten. Er kehrt bis zum Wahltermin am 28. Oktober in seine Heimat zurück. Denn Harnisch stammt aus Oberhessen, spielte in der Bundesliga für Gießen, wo auch SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel herkommt. Eine entscheidende Rolle bei Harnischs Verpflichtung spielte dessen Ehefrau Annette Gümbel. Sie ist Vereinsvorsitzende des TV Lich (Basketball).
SPD-Landtagskandidat Swen Bastian hob abschließend hervor, Thorsten Schäfer-Gümbel sei nicht nur im Wahlkampf im Vogelsbergkreis, sondern engagiere sich hier kontinuierlich, er sei vor Ort und bürgernah. Die Veranstaltung in Ulrichstein schloss mit einem Appell von SPD-Kandidat Swen Bastian: „Gehen Sie am Sonntag unbedingt wählen!“
