Adresse
Hinter dem Spittel 20
Lauterbach
Hessen
36341
Deutschland
Der „Goldene Esel“
Heute spricht man in Lauterbach gemeinhin vom „Alten Esel“, wenn man als Treffpunkt das Gebäude ausmacht, in welchem früher Posthalterei und Schule untergebracht waren. Doch die Anfänge dieses Gebäudes lagen in der Gastronomie. Im frühen 16. Jahrhundert, um 1525 herum, baute Theodor Riedesel zu Eisenbach ein Fachwerkhaus vor dem Obertor der Stadt, auf dem Wörth, da er innerhalb der Stadtmauern aufgrund des Brauprivileges der Bürger kein Bier ausschenken durfte. Das Bier, welches aus den Händen der riedeselschen Damen stammte, war qualitativ herausragend. Es lockte die Bürger aus der Stadt heraus und fing Reisende schon vor der Mauer ab, sodass es bald für Lauterbach einen großen ökonomischen Schaden verursachte. Bald verfügte der „Goldene Esel“, der nach dem Wappentier des Erbauergeschlechts benannt wurde, auch über eine eigene Braustätte. Er musste stets vergrößert werden, da der Umsatz dauernd stieg und bald wurde ein zweites Gasthaus der Riedesel errichtet: Die Burgwirtschaft (1612). Das Bier für die Burgwirtschaft brauten die Riedeselfrauen zunächst im Brauhaus der Stadt, was diese aber Mitte des 17. Jahrhunderts nicht mehr duldete. Daraufhin errichteten die Riedesel in der Burg eine eigene Brauerei, deren Umsätze sich bald überschlugen. Im Goldenen Esel wurde auch nebst der Gastronomie das Gericht der Cent gehalten. Ebenfalls tagten seit dem 17. Jahrhundert 18 der 19 Lauterbacher Zünfte – sie waren riedeselsche Lehen – im Goldenen Esel und steigerten nochmals erheblich dessen Wirtschaft. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Eselswirtschaft komplett neu errichtet. Mit den Ställen maß das neue Gebäude stolze 60 Meter. Das lang gestreckte verschindelte Fachwerkgebäude stellt sich zusammen mit dem großen Hof, als imposante Gesamtanlage dar.
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